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Unser täglich Brot ist Gift – Gluten

Brot

Das Bild wurde freigegeben zur Wiederverwendung freigegeben http://pixabay.com/de/brot-brotkorb-frühstück-wecken-621/

Es gibt zwar viele verschiedene Auslegungen von Paleo, einige Punkte aber können als der „kleine gemeinsame Nenner“ bezeichnet werden. Der Verzicht auf Getreide ist wohl der elementarste. Gerade für uns in Deutschland ist das aber auch gleichzeitig der schwierigste Punkt. Brot ist in der deutschen Esskultur tief verwurzelt und kein anderes Land kann mit der Anzahl verschiedener Brotrezepturen mithalten. Brot bietet viele Vorteile, die auf der Hand liegen: es ist günstig, an jeder Ecke bei den unzähligen Bäckern erhältlich, selbst kreativlose Menschen können sich schnell eine Stulle schmieren und es lässt sich prima transportieren. Für viele bricht eine Welt zusammen, wenn ihr Grundnahrungsmittel Nr. 1 von heut auf morgen gestrichen wird. Wenn man auf Getreide verzichtet, stößt man auch auf wenig Verständnis. Zu tief ist Brot als gesundes Lebensmittel in vielen Köpfen verankert. „Wie, Vollkornbrot isst du auch nicht? Das kann doch nicht gesund sein! Dann fehlen dir doch die Ballaststoffe und wichtige Vitamine!“ Sätze wie diesen muss ich mir häufiger anhören. Ich muss gestehen, dass ich nur in den seltensten Fällen eine Diskussion anfange, denn erfahrungsgemäß sind die meisten schon damit überfordert, dass es tatsächlich andere Menschen gibt, die ohne Brot und Getreideprodukte leben und das sogar völlig freiwillig. Wenn aber jemand interessiert ist, dann nehme ich mir gerne fünf Minuten länger Zeit und erkläre die Motivation auf Getreide zu verzichten. Getreide hat viele Nachteile. Wenn ich jetzt alle in einem Beitrag aufführen würde, dann würde er viel zu lang werden. Also mache ich lieber eine kleine Serie daraus und spreche nach und nach darüber, was so schlimmes im Getreide steckt. Den Anfang mach ich mit dem offensichtlichstem Problem:

Getreide enthält Gluten

Gluten ist in Weizen, Roggen, Dinkel usw. enthalten und wird auch Klebeeiweiß genannt, weil es Teigen eine gummiartige und elastische Konsistenz verleiht und sie beim Backen schön aufgehen lässt. Für die Herstellung der Backwaren hat es einen so großen Nutzen, dass gerade Weizen in den letzten Jahren dahingehend in der Züchtung optimiert wurde, dass der Glutenanteil um ein vielfaches höher ist als es noch vor 100 Jahren der Fall war. Außerdem verwenden Großkonzerte und Bäcker zusätzliches Gluten, um ihre Erzeugnisse noch fluffiger zu machen. Und dann ist es auch noch ein prima Bindemittel, das billig in Fertigprodukten eingesetzt werden kann. Ein weiterer kritischer Trend ist das „Weizenfleisch“ Saitan, das für Veganer und Vegetarier Fleisch imitieren soll und quasi Gluten pur ist. Fakt ist: so viel Gluten wie heutzutage haben wir noch nie verzehrt. Gleichzeitig steigt die Anzahl der Patienten, bei denen eine Zöliakie (Glutenunverträglichkeit), eine Weizenalergie oder Glutensensitivität diagnostiziert wird. Die Dunkelziffer ist allerdings mit Sicherheit noch größer, denn zu unspezifisch sind die Symptome und nicht jeder Arzt zieht Gluten als Übeltäter in seine Anamnese mit ein.

Dabei ist der Konsum von Gluten wirklich keine so gute Idee. Gluten ist ein Lektin. Lektine aus pflanzlichem Ursprung sind die Schutzmechanismen gegenüber Fressfeinden, die sich die Pflanze aufgebaut hat, denn sie möchte zur eigenen Arterhaltung nicht gefressen werden. Da Getreide weder einen Panzer, noch Stachel zur Abwehr hat, bildet es bestimmte Lektine, die den Fressfeinden langfristig schaden können und somit verhindern, dass die Pflanze ausgerottet wird. Einige Lektine sind für uns Menschen harmlos, andere wiederum können giftig sein. Das Lektin Gluten setzt sich aus den beiden Proteinen Gliadin und Glutenin zusammen. Gliadin scheint bei uns die größeren Probleme auszulösen, denn es wirkt sich negativ auf unsere Darmschleimhaut aus und kann sogar zum so genannten „Leaky Gut“ führen. Dabei wird der Darm an einigen Stellen durchlässig, Darminhalte können so in den Blutstrom gelangen und dort nach und nach zu einer systematischen Entzündung führen und somit den Grundstein für viele Erkrankungen und Autoimmunprozesse legen. Symptome sind vielschichtig und reichen von Verdauungsproblemen, Bauchschmerzen, Blähungen und Krämpfen bis hin zu „bauchfremden“ Leiden wie Kopfschmerzen, Hautprobleme, Depressionen, Schwindel, Konzentrationsschwierigkeiten, Gelenkschmerzen und Benommenheit.

Aber wie wird der Darm durchlässig? Eine gewisse Durchlässigkeit ist durchaus erwünscht, denn nur so können wichtige Nährstoffe ins Blut gelangen. Das regelt unser Darm über Zonulin, das als Regulator für die Durchlässigkeit des Darmes arbeitet1) http://www.biomedizin-blog.de/de/zonulin-ein-wichtiger-helfer-in-der-diagnose-des-leaky-gut-syndrom-wp261-292.html 2) Wang W. et al., „Human zonulin, a potential modulator of intestinal tight junctions“; Journal of Cell Science 2000, 113, pp. 4435-4440 . Je mehr Zonulin gebildet wird, desto stärker durchlässig wird der Darm.

Was passiert nun, wenn wir glutenhaltige Produkte essen? Es wurde inzwischen in mehreren Studien gezeigt, dass gerade Gliadin das Zonulin ansteigen lässt und zwar viel höher, als es sonst der Fall wäre3) Clemente M. G. et al., „Early effects of gliadin on enterocyte intracellular signalling involved in intestinal barrier function“; Gut 2003, 52, pp. 218-223 4) Drago S et al., “Gliadin, zonulin and gut permeability: Effects on celiac and non-celiac intestinal mucosa and intestinal cell lines”Scand J Gastroenterol. 2006 Apr;41(4):408-19 . Mehr Zonulin bedeutet, dass langfristig der Darm immer löchriger wird und es zum „Leaky Gut Syndrom“ kommen kann. Dann können auch unerwünschte Stoffe wie Bakterien und Proteine aus dem Darm in den Körper gelangen und dort zu Entzündungen führen 5) Fasano A et al., Biological perspectives: physiological, pathological, and therapeutic implications of zonulin-mediated intestinal barrier modulation, Living Live on the Edge of the wall“; American journal of pathology 2008, 173, pp. 1243-1252 oder eine Immunantwort auslösen. Der Körper bildet dann Antikörper, die zu Allergien führen können. Bei manchen Menschen äußert sich das sogar in einer falschen Immunreaktion und der Körper bekämpft nicht nur die fremden, sondern auch die eigenen Proteine. Auf diese Weise entstehen Autoimmunkrankheiten wie Zöliakie6) Fasano A´et al., Biological perspectives: physiological, pathological, and therapeutic implications of zonulin-mediated intestinal barrier modulation, Living Live on the Edge of the wall“; American journal of pathology 2008, 173, pp. 1243-1252 , Typ-1-Diabetes 7) Sapone A et al., „Zonulin upregulation is associated with increased gut permeability in subjects with type 1 Diabetes and their relatives“; Diabetes 2006, 55, pp. 1443–1449 , Arthritis, Schizophrenie 8) Wan C et al., „Abnormal changes of plasma acute phase proteins in schizophrenia and the relation between schizophrenia and haptoglobin (Hp) gene“; Amino Acids 2007, 32, pp. 101–108 ,9) Maes M et al., „Haptoglobin polymorphism and schizophrenia: genetic variation on chromosome 16“;Psychiatry Research 2001, 104, pp. 1–9 Multiple Sklerose 10) Takeoka, T et al., „Impairment of blood-cerebrospinal fluid barrier in multiple sclerosis“; Journal of Neurochemistry 1983, 41, pp. 1102–1108 und auch andere entzündliche Erkrankungen des Nervensystems, die im direkten Zusammenhang mit erhöhten Zonulin Werten stehen.

Der Zonulinanstieg ist nicht nur bei glutensensitiven Menschen oder Zöliakieerkrankten nach dem Genuss von Getreide zu beobachten, sondern auch bei allen anderen Menschen. Es ist also für jeden von uns ungünstig, täglich Glutenhaltiges zu sich zu nehmen.

Klar es gibt einige Menschen, den Gluten nichts auszumachen scheint. Sie zeigen keine der oben genannten Symptome und können sich ein Leben ohne Getreide nicht vorstellen. Sie haben anscheinend ein prima arbeitendes Immunsystem, dass sich erfolgreich gegen Gliadin wehrt und auch mit einem mehr oder weniger durchlässigen Darm klar kommt. Was passiert aber, wenn das Immunsystem dieser Personen vorrübergehend geschwächt wird? Was passiert bei einer längeren Erkrankung? Was passiert wenn unser Immunsystemzentrum, unser Darm, durch Antibiotika in seinem Mikrobiom so geschädigt wird, dass es nicht mehr so robust ist? Was passiert wenn diese Person längere Zeit chronischem Stress ausgesetzt ist, zu wenig schläft oder übertrainiert ist? Was passiert, wenn sich diese Person Jahre lang schlecht ernährt? All das hat einen negativen Effekt auf unser Immunsystem und damit indirekt einen Effekt darauf, wie gut oder schlecht unser Immunsystem mit einem durchlässigen Darm zurechtkommt.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass es viel mehr glutensensitive Menschen gibt, als wir vermuten. Warum sollte man sich also glutenhaltigen Lebensmitteln überhaupt aussetzen? Ich kann nur jedem empfehlen, für eine Zeit von mindestens einem Monat auf alles Glutenhaltige zu verzichten. Ich wette, dass jeder positive Ergebnisse feststellen wird, weil der Darm anfängt zu heilen und die ganzen negativen Effekte wie Blähungen und Verdauungsprobleme gemindert und die Konzentrationsfähigkeit und das Hautbild verbessert werden. Viele merken erst während dieser glutenfreien Zeit, was ein „Normalzustand“ eigentlich ist, und dass ihre Beschwerden nicht normal sind.

Quellen

1.
 http://www.biomedizin-blog.de/de/zonulin-ein-wichtiger-helfer-in-der-diagnose-des-leaky-gut-syndrom-wp261-292.html
2.
 Wang W. et al., „Human zonulin, a potential modulator of intestinal tight junctions“; Journal of Cell Science 2000, 113, pp. 4435-4440
3.
 Clemente M. G. et al., „Early effects of gliadin on enterocyte intracellular signalling involved in intestinal barrier function“; Gut 2003, 52, pp. 218-223
4.
 Drago S et al., “Gliadin, zonulin and gut permeability: Effects on celiac and non-celiac intestinal mucosa and intestinal cell lines”Scand J Gastroenterol. 2006 Apr;41(4):408-19
5.
 Fasano A et al., Biological perspectives: physiological, pathological, and therapeutic implications of zonulin-mediated intestinal barrier modulation, Living Live on the Edge of the wall“; American journal of pathology 2008, 173, pp. 1243-1252
6.
 Fasano A´et al., Biological perspectives: physiological, pathological, and therapeutic implications of zonulin-mediated intestinal barrier modulation, Living Live on the Edge of the wall“; American journal of pathology 2008, 173, pp. 1243-1252
7.
 Sapone A et al., „Zonulin upregulation is associated with increased gut permeability in subjects with type 1 Diabetes and their relatives“; Diabetes 2006, 55, pp. 1443–1449
8.
 Wan C et al., „Abnormal changes of plasma acute phase proteins in schizophrenia and the relation between schizophrenia and haptoglobin (Hp) gene“; Amino Acids 2007, 32, pp. 101–108
9.
 Maes M et al., „Haptoglobin polymorphism and schizophrenia: genetic variation on chromosome 16“;Psychiatry Research 2001, 104, pp. 1–9
10.
 Takeoka, T et al., „Impairment of blood-cerebrospinal fluid barrier in multiple sclerosis“; Journal of Neurochemistry 1983, 41, pp. 1102–1108
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Roxi Rox

Hej! Ich bin Roxi und lebe seit 2006 weitgehend getreidefrei und bin seit Oktober 2012 Paleo / Primal. Ich liebe es zu kochen, zu fermentieren und auch zu essen. Meine Ernährung ist für mich keine Religion. Ich glaube nicht einfach blind, sondern hinterfrage viel.
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1 Kommentar

  1. tin's Gravatar tin
    25. Februar 2015    

    Der größte Teil der Weltbevölkerung lebt ja ohne Vollkornbrot zu essen. Die Thais z.B. und andere Asiaten kennen so etwas gar nicht und sind trotzdem schlanker und gesünder als die meisten Europaäer mit ihrem Vollkornbrot!

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